Georg Dekas

31.01.2025

DER SPECK, EIN ITALIENER

Die Fratelli d’Italia sehen Südtiroler Speck und Küche als „Welterbe“ Italiens. Das ist perfide. Anlässlich der Leistungsbilanz der Südtiroler Mitte-Rechts-Regierung hat LR Marco Galateo von den Fratelli d’Italia noch einmal seine Speck-Reise nach New York im Juni des Vorjahres hervorgehoben. Dabei geht es nicht um brüderliche Tafelfreuden, sondern um eine ultrachauvinistische Politik.

Speck, du edles Stück (c) dege 2025

A Italyman in New York

Es ist recht seltsam, dass ein Provinzpolitiker, noch dazu ein italischer Nationalist, nach New York fliegt, um den Export einer Tiroler Leibspeise zu fördern. Will er sich nur eine köstliche Reise machen, der Landeshauptmann-Stellverteter und Landesrat für italienische Kultur, Marco Galateo von den Fratelli d‘Italia? Nein, das trifft nicht den Stein des Anstoßes.

Falsche Tafelbrüder

Herr Galateo aus Bozen denkt weiter, und er denkt gründlich. Er will den Speck zu einer italienischen Spezialität machen, Seite an Seite mit dem Parmaschinken, sozusagen. Tiroler Speck soll unter dem Dach der „Cucina Italiana“ stehen. Damit ist er sich eins mit den Verkaufsstrategen des Südtiroler Speckkonsortiums, die für Geld auch ihre Lederhosen feilbieten würden (Schaut euch die Seite speck.it an). Fratello Galateo, Schlachtruf „Speck means Family“, gibt sich den Anschein eines Tafelbruders, aber in Wahrheit verfolgt er ein hoch gestecktes politisches Ziel mit dem Vehikel Speck.

Speck ist Tirol

Dazu muss man wissen: Der Südtiroler, allgemein der Tiroler Speck, ist mehr als eine für deutsche Länder typische und traditionelle Speise. Der Speck verkörpert die Nationalität der Tiroler so, wie das die Spaghetti für Italien tun. Auch dann, wenn in den Nudeln gar nichts Italienisches mehr drin ist. So wie beim Speck die Schweine woanders her stammen. (Übrigens, wie wird die neue Südtiroler Lebensmittelkennzeichnungspflicht wohl damit umgehen?)

Italienisches Weltkulturerbe niemals

Als Galateo im Juli 2024 von der Opposition auf seine US-Mission angesprochen wurde, gab er als Antwort eine Speckmarende für die Presse, und das bei laufendem Sitzungsbetrieb in der Landhausbar. Speck kauend bekräfigt er: „Es ging hauptsächlich darum, die Kandidatur der italienischen Küche – und damit auch der Südtiroler Küche – für den Titel des immateriellen UNESCO-Welterbes zu unterstützen.“ Scherzend merkt er an, dass die österreichische Speckjause wohl keine diesbezüglichen Ambitionen hege („Quella austriaca non mi pare ci sia”).  Auch des Landesrats Kollegin, die Fratelli-Landtagsabgeordnete Anna Scarafoni sieht nicht nur den Speck, sondern auch die urdeutsche Küche in Südtirol voll italienisch: „Keine andere Küche ist so hochgepriesen und so eigenständig von Region zu Region wie die italienische, und innerhalb dieser Vielfalt gibt es die Südtiroler Küche, wobei der Speck eines ihrer Symbole ist.“ Fast schon putzig ist es, wenn Galateo sich bei der Beschreibung der Südtiroler Marende dennoch um eine versteckte „Zweisprachigkeit“ bemüht, indem er sagt: „la tipica merenda sudtirolese altoatesina“.

Wenn Speck italienisch, dann Tiroler auch

Wenn nun der gute alte Tiroler Speck eine original italienische Spezialität ist, und der Speck seit jeher das original kulinarische Nationalheiligtum Tirols ist, dann müssen die (Süd-) Tiroler in den Augen der Welt wohl auch originale Italiener sein, denn der Origo, der Ursprung, wäre dann gleich für beide. Anders gesagt: Wenn der Südtiroler Speck aus Italien kommt, kann der Südtiroler Menschenschlag nicht von woanders her kommen. Perfider könnte man die schleichende Entnationalisierung und die fortgesetzte kolonialistische Unterordnung Südtirols mit anderen als kriegerischen Mitteln nicht zu Ende …kauen.

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