Bemerkungen zu Zeit und Ewigkeit von Florian Stumfall
Trefflich läßt sich mit halben Zitaten lügen. So sagt Brecht: "Stell' dir vor, es ist Krieg und es geht keiner hin..." - ein Stück literarischer Grundausstattung für Pazifisten. Doch das Zitat geht weiter: "... dann kommt der Krieg zu dir". ...Und schon stimmt die Sache nicht mehr. Oder Gandhi mit seiner Gewaltfreiheit. Er hat sie empfohlen, solange man der Schwächere sei. Für den Stärkeren, so die Lehre, sei Gewaltanwendung durchaus sinnreich. Oder aber Friedrich II. von Preußen. Sein Hinweis, ein jeder solle nach seiner Façon selig werden, belegt nur sein agnostisches Desinteresse an der Religion. Er hat es aber nicht versäumt zuzufügen, man solle darauf achten, daß kein Katholik in Preußen zu Ämtern kommen solle. Und schließlich Rosa Luxemburg, die die Freiheit die Freiheit des anderen nannte. Der Kontext aber eröffnet, daß "der andere" ausschließlich der andere Sozialist sein kann, der eine abweichende sozialistische Meinung vertritt. Freiheit über die Reihen der Genossen hinaus zuzubilligen, war Luxemburgs Sache nicht. Und manche Leute, die sonst von Goethe nicht viel wissen, berufen sich gerne auf das Wort von dessen Tasso, der sagt: „Erlaubt ist, was gefällt.“ Doch die Antwort der Leonore von Este unterschlagen sie. Sie lautet: „Erlaubt ist, was sich ziemt.“
von Florian Stumfall
























